Paganini und die Doppelgriffpiraten

"End the winner is....."Der Doppelgriff. Doppelgriffe sind Piraten unter den Noten.

Man glaubt sich in den ruhigen, neutralen Gewässern zu driften und schwups, weht die schwarze Fahne am Horizont. Keine Panik.

Es gibt Möglichkeit, von den Piraten nicht angegriffen zu werden. Besser noch, man kann sich mit denen sogar richtig anfreunden und Spaß an deren Gesellschaft finden.

Um die Doppelgriffe möglichst entspannt zu lernen, kann man sich die Arbeit in Etappen aufteilen. Das tolle an Doppelgriff-Übungen ist, dass sie sich perfekt dazu eignen, nebenbei die Geläufigkeit zu verbessern und die Hand zu strecken und zu entspannen. Außerdem Piraten Metapher, Meeresblick, machen das ganze sehr romantisch.

Schritt 0 ist es immer (natürlich) sehr gemütliche Fingersätze auszuwählen.

* erste Etappe - die Doppelgriffe mit leeren Saiten. Finger möglichst Flach und fleischig auf die Saiten legen - Fingernägel zeigen eher Richtung Nase, als Richtung Wand.

Leicht auf und ab bewegen um die Spannung zu verhindern - wie ein Boot auf leichten Wellen.

Fingerkuppeln sollen sich dabei weich wie Daunenkissen anfühlen und so die Saite umhüllen.

Es wirkt sich sehr meditativ, als ob man auf einer Luftmatratze im warmen Meer vor sich hin driften würde. Zuerst ohne dann mit dem Bogen fortsetzen. Für den schönen runden Klang auch mal mit pizzicato, pizzicato+arco und mit Vorbereitungstechnik- sehr genussvoll, mit Konzentration auf dem Atem und auf der rechten Hand spielen.

* zweite Etappe - die Doppelgriffe mit a,e,d,g, - Noten auf genau gleiche Weise, wie bei der ersten Etappe spielen und dabei sehr gut auf Resonanz des Instruments achten. Dazu kommt noch "Segelschiff-Übung" ( Bild 2) die läuft folgendermassen ab:

beide Finger abwechselnd rauf zu Flageoletts bewegen- klingt herrlich hässlich, die "Ruderboot-Übung" ist auf dem ersten Bild zu sehen - hilft den Balance zwischen beiden Saiten zu finden.

Wichtig ist, den sauberen Zustand oft zu wiederholen und genau darauf achten, was die rechte Hand so treibt. Nicht zu viel Aufmerksamkeit der linken schenken, diese soll sich nämlich entspannen. Doppelgriffe sind ein Bisschen wie SPA für diese Hand, der schöne Klang der Geige wirkt sehr wohltuend.

* dritte Etappe - Ziel ist es, jeden Doppelgriff und zwar unabhängig von den anderen klingend mit schönem Ton, warm und weich zu spielen. Mein Trick für sehr kleine Hände ist, mit so viel Fleisch an den Speck zu gehen wie möglich, auch Handgelenk soll mithelfen. Impuls-Loslassen ("Segelschiff") mit und ohne Bogen spielen, "Ruderboot" -Übung, und die Standards (unten+oben+zusammen und oben+unten+zusammen) erst zur nächsten gehen wenn eine sauber ist, so wird der Kopf weiter richtig arbeiten auch wenn wir nicht mehr üben.

* vierte Etappe - jetzt wird es spannend, auf polnisch sage ich "abordaz" auf französisch "abordage" oder "embarquement" es geht um den Übergang von einem Intervall zum nächsten. Wir entern den Schiff. Es geht um gleichzeitigen Fingerfall gleichmässige Gewichtsverteilung auf beiden Saiten, Intonation, Klang und, und, und...

Wenn mann immer nur "von unten nach oben" übt gewöhnt man sich tatsächlich, den Finger auf der unteren Saite immer einen Hauch früher zu stellen. Es gibt hunderte Methoden dem entgegenzuwirken. Zum Beispiel:

Nehmen wir die Terzen Nummer 5 und 6

Der Fingersatz ist klar 4 & 2 und 3 & 1 also:

1. in jeder Kombination nacheinander hinstellen.

a.) 4-2-3-1

b.) 4-2-1-3

c.) 2-4-1-3

d.) 2-4-3-1

alles legato, den Bogen schaukelt gleich wie eben ein Piratenschiff auf ruhigem Meer;

2. mit 4&2 Finger gleichzeitig die Saiten runter zum Griffbrett bewegen, zum Flageolett loslassen und das gleiche mit 3&1 hin und zurück

3. Mit meiner Lieblings "Vorbereitung Technik" - hardcore Check. Links schnell und rechts entspannt. (Im Bild Orange)

Für übermotivierte oder besonders resistente mache ich noch Übe-Spickzettel. Ich deponiere den in den Downloads sobald ich lerne, besser das Finale zu bedienen.

* Etappe fünf ist einfach langsame Zusammensetzung mehreren Doppelgriffen in einer Lage - immer noch ohne jeglichen Rhythmus, es geht nur um Klang, Resonanz, Lockerheit und Sauberkeit.

* Sechste Etappe - die Lagenwechsel, mit gleichen Fingern oder mit wechselnden Fingersätzen, ohne Bogen. Um gut beobachten zu können welche Strecke, welcher Finger hinlegt, kann man die Geige wie Gitarre oder Ukulele halten.

* Siebter Himmel - langsam alles durchspielen :) Erstmals mit den richtigen Notenwerten.

Ein Paar Grundsätze:

1. Doppelgriffe kann man sehr gut an allen Stellen üben, an denen man eigentlich Geläufigkeit trainiert (schaue Kreisler Etüden Nr. 2 und 3. als Beispiel), die Intonation wird dann zum Mittelpunkt aber da wir uns nicht unter Druck setzen (weil es um Doppelgriffe geht), ist es für den Kopf leichter für entspannte Hände zu sorgen.

2. Wenn man sich zu sehr auf Intonation konzentriert, besteht die Gefahr der Verspannung. Dadurch wird diese leiden.

3. Wenn Instrument schön klingt, der Klang weit trägt, es bedeutet Doppelgriff ist sauber.

4. Rechte Hand kann dabei sehr viel helfen. Benutze wenig Bogenstrecke, die Abstände in der linken Hand wurden sich dadurch kleiner anfühlen.

Ahoi Landratten. Ich glaube jetzt bin ich fertig. Aber der Spickzettel folgt. Falls etwas nicht sehr klar ist, fragt in Kommentaren, ich antworte gerne.

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