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H - wie Herbst flow, warum sich gutes Einspielen im Unterricht wirklich lohnt.

vor 11 Minuten
4 Min. Lesezeit

Simply Violin von KI korrigiert


Kennst du das? Deine Schülerinnen und Schüler trudeln im Unterricht ein, der Kopf ist noch voll mit Hausaufgaben oder dem Ganztags-Schulstress. In Deutschland ist das mittlerweile der Endgegner im Instrumentenunterricht: Die Kids haben kaum noch Zeit zum Üben, und den Luxus, zweimal die Woche zum Unterricht zu kommen, hat sowieso niemand. Die Möglichkeit existiert kaum irgendwo. Uns bleiben oft exakt 30 Minuten pro Woche, um kleine Wunder zu bewirken.


Jetzt denkst du vielleicht: Wertvolle Minuten mit Einspielen verplempern? Bei nur einer halben Stunde Unterricht?! Ich sage: Auf jeden Fall – aber nur mit Köpfchen!

Deswegen habe ich für dich den „Herbst-Flow“ entwickelt. Das ist eine knackige Übungssequenz, die im Unterricht fantastisch funktioniert, die Kids mental abholt und insgesamt weniger als 10 bis 12 Minuten dauert.

Für wen ist das Ganze gedacht?


Perfekt für das Niveau Suzuki Band 2, ABRSM 2 oder Jugend musiziert (Altersgruppe II). Einzelne Elemente kannst du aber sogar mit totalen Anfängern spielen.


Die Tonart der Stunde: D-Dur. Für mich trägt sie definitiv die sattesten Herbstfarben. Sie klingt hell und frisch wie der Oktoberwind, ein bisschen kühl und glänzend durch die leeren Saiten, aber gleichzeitig wohlig warm, süß wie Honig und rötlich-gelb, sobald wir in die höheren Lagen wandern.

Schnapp dir einen Kaffee, hier ist dein Fahrplan für den nächsten Unterrichts-Hack:



  1. Der Einstieg: Die Straßenbahn (Dauer: ca. 2 Minuten)


Wir starten komplett ohne Bogen, um die linke Hand sanft aufzuwärmen.


Der Trick: Den 1. Finger ganz leicht auf dem Griffbrett zwischen der D- und A-Saite parken. Jetzt wird gecruist! Der Finger gleitet geschmeidig rauf und runter. Aktiviere hier deinen inneren Pilates-Trainer und zähle im beruhigenden Ton von 10 rückwärts bis 1. Dann kommt der Fingerwechsel. Im großen Finale dürfen alle Finger gleichzeitig auf die Rutschbahn. Das Handgelenk bleibt so flexibel wie Wackelpudding und der Daumen streichelt den Geigenhals nur ganz zärtlich – bloß nicht klammern! (Übrigens auch ein super Anfänger-Klassiker).



  1. Der Übergang: Die Fingergrundgelenk-Schaukel (Dauer: 15 sekunden)


    Jetzt schalten wir den Bogen-Flow dazu. Setze den Bogen am Frosch auf der G-Saite auf. Der kleine Finger (Pinky!) muss schön rund sein. Und jetzt wird geschaukelt: Nur aus dem Fingergrundgelenk bewegst du den Bogen auf die E-Saite und zurück zur G-Saite. Durch das reine Beugen und Strecken der Finger wandert der Bogen hin und her. Wenn sich die Bewegung eingependelt hat, zählst du wieder von 10 bis 1 runter – und als Koordination-Upgrade setzt die linke Hand parallel den 1. Finger auf die D-Saite.


  2. Die Teekessel-Voodoo-Methode (Dauer: ca. 3 Minuten)


    Jetzt wird es ernst, wir spielen Sexten! Den genauen Notentext dazu habe ich dir unten im „Teachers Corner“ zum Download bereitgestellt.

    Das Setup: Zuerst den ersten Ton auf der D-Saite aufsetzen, dann den zweiten auf der A-Saite. Das Ganze streichen wir im Aufstrich so hauchzart, dass es fast wie ein Flageolet klingt.

    Der absolute Psychologie-Hack gegen die Verkrampfung: Vor jedem neuen Intervall klopfen die Fingerspitzen der rechten Hand ein Muster auf die Bogenstange.


    Intervall 1: Der kleine Finger klopft.

    Intervall 2: Der Ringfinger klopft.

    Intervall 3: Der Mittelfinger klopft.

    Intervall 4: Der Zeigefinger klopft.


    Das lenkt das Gehirn genial ab, lockert den Bogengriff und nimmt den Stress aus der linken Hand. (Mehr Details dazu findest du unten in den Notizen 📝).


  1. Das D-Dur-Herbstleuchten (Dauer: ca. 3 Minuten)


    Jetzt kommt unsere Herbst-Tonleiter in zwei spannenden Varianten:


    Variante 3a (Die reine 3. Lage): Wir starten direkt im Obergeschoss mit dem 2. Finger auf der G-Saite. Fokus auf die rechte Hand: Der Bogen muss ganz nah am Steg geführt werden. Du weißt ja: Je höher die Lage, desto kuscheliger das Verhältnis zwischen Bogen und Steg! Wenn wir ganze Noten spielen, werfen wir direkt ab dem ersten Ton ein schönes Vibrato an.


    Variante 3b (Der Lagenwechsel-Move): Jetzt wandern wir mit Lagenwechseln über die A-Saite. Hier empfehle ich dir dringend Staccato als Strichart. Warum? Wer rutschen will, darf nicht klammern! Wir müssen den Druck des linken Fingers vor dem Wechsel komplett eliminieren. Das Staccato hilft den Kids, das zu spüren: Rechts machen wir erst einen kurzen Impuls nach unten, und beim Streichen lösen wir die Bogenstange wieder. So entsteht dieser geniale, charakteristische Soundeffekt und die linke Hand bleibt völlig entspannt.



  1. Das Finale: Der Lagenwechsel-Klassiker (Dauer: ca. 2 Minuten)


    Zum Abschluss schnappen wir uns die legendäre Lagenwechsel-Übung aus der Suzuki Violin School (Vol. 2, International Edition, S. 29). Sie rundet das Paket perfekt ab und bringt die neu gewonnene Lockerheit direkt in den musikalischen Kontext.

Fazit für deinen Unterrichts-Alltag


Natürlich zieht man so ein intensives Technik-Paket in einer kurzen 30-Minuten-Stunde nicht jede Woche durch. Aber es gibt diese Tage und Unterrichtssituationen, in denen genau so ein klarer, fester und routinierter Ablauf den Schülern unglaublich hilft, den Kopf frei zu bekommen.

Wenn du im Oktober ein paar Einheiten diesem Herbst-Flow widmest, wirst du die Resultate schnell sehen. Und wer weiß? Vielleicht packt die Kids der Flow so sehr, dass sie ihn als Routine mit nach Hause nehmen und plötzlich freiwillig zwischen den Schulhausaufgaben üben.

Probier es aus und schreib mir unbedingt in die Kommentare, wie das Bogenstangen-Klopfen bei deinen Schülern angekommen ist!


Quelle:

SUZUKI, Shinichi: Suzuki Violin School. Vol. 2: Violin Part (Revised/International Edition). Miami : Summy-Birchard / Alfred Music, 2007, S. 29.


📝 Noten-Download & Lehrer-Notizen:



[Hier geht’s zum PDF-Download im Teachers Corner]




 
 
 

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